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Navajo läuft
das Wasser
schon im
Mund zusammen.
Der sächsische Pony
Wallach darf normalerweise
morgens ab
neun auf die Koppel.
„Weil du heute da bist, müssen
die Pferde noch ein
Stündchen länger im Stall
bleiben", sagt Carsten Fraider, Hofbetreiber und Reitlehrer
des gleichnamigen Stalls. Verhungern
wird Navajo deswegen
nicht, das eine oder andere
Speckpölsterchen zeichnet
sich unter seinem Winterfell
ab. So genießt der 14jähige
Wallach statt Gras meine
Putzorgie. Danach ist er massenhaft Fell los, das nun an
mir klebt.
Ich habe eine Westernstunde
vereinbart und mich als
Klassikreiter mit ein wenig
Erfahrung im Westernsattel
angemeldet. Carsten Fraider
sattelt ebenfalls ein
Pferd. Timber ist ein
Quarterhorse, das er
kürzlich kaufte. Der
Trainer
zeigt
mir, was ich beim Satteln
beachten muss. „Es ist wichtig, das Pad
ganz weit vorne aufzulegen und nach hinten zu ziehen, damit
die Haare glatt unterm
Sattel liegen und nicht drücken",
erklärt der Reitlehrer. Navajo trägt ein gebrochenes
Gebiss mit Anzügen. Die
Zügel sind aber nicht an der
Stange eingehängt, sondern
am Gebiss. So hat es keine
Hebelwirkung und wirkt wie eine
normale Trense. Zur
Reitstunde gehen wir auf
den etwa 30x50 Meter
großen Außenplatz. „Wir Westernreiter
sind faul, wir lassen das
Pferd arbeiten", sagt
Fraider zu Beginn der Stunde.
„Es gibt Unterschiede, aber
auch viele Gemeinsamkeiten
mit dem Klassischen Reiten." Zum Beispiel das Becken.
Die
Brücke überm Hals zeigt
dem Pferd den Weg „Viele
Klassikreiter denken,
sie müssten mit dem
Becken ihr Pferd schieben", sagt
er. „Aber das stimmt nicht: Das
Becken soll mit dem Pferd
schwingen, genau wie im Westernreiten."
Ich lerne, wie man dem Pferd den „Weg zeigt". Die offenen
Zügel bilden eine Brücke
über dem Pferdehals. Bei einer Wendung muss meine
Hand in die Richtung zeigen,
in die das Pferd gehen
soll. „Dadurch verlagerst
du automatisch dein Gewicht, das
Pferd geht in die richtige
Richtung." Navajo wendet ohne
Probleme ab. Immer wieder demonstriert
Fraider Übungen, die ich reiten
soll, mit seinem Timber.
Er erklärt den Unterschied
zwischen Dressur-
und Arbeits-Reitweise:
„Ein
Westernreiter braucht ein
Pferd, das auf einfache
Signale reagiert."
Zum Schluss der 45minütigen
Reitstunde üben wir einhändig
Neckraining. In den
Wendungen soll ich den äußeren
Zügel an den Hals legen.
Das klappt sogar im Galopp
und macht tierisch Spaß.
Carsten Fraider sieht sich als Basistrainer. Er überlegte
oft, einen Trainer-Schein zu
machen. Doch nach einer Kosten-Nutzen-Abwägung
entschied er sich
dagegen. „Dann müsste ich mehr Geld für meine
Reitstunden nehmen." Auch
so findet er seinen Unterricht schon fast zu teuer:
„Für eine Einzelstunde muss ich 18 Euro verlangen",
entschuldigt er sich. Das ist
nicht nötig, denn für
diese 18 Euro gab Carsten Fraider mir auf einem sehr guten Schulpferd
eine qualifizierte Reitstunde,
die Lust auf mehr machte.
Deswegen bekommen
Schulpferd, Reitlehrer
und das
Preis-Leistungs-Verhältnis
jeweils drei Hufeisen.
Der Hof Fraider bietet einen
gepflegten
Außenplatz und einen
Roundpen.
Die Ställe sind luftig, hell
und haben fast alle
Außenfenster. Sieben Schulpferde und etwa 15 Beritt- und
Pensionspferde beherbergt der
Hof. Die Box gibt es ab
185 Euro pro Monat.
Gruppenunterricht (60
Minuten) mit maximal drei
Reitern kostet 15 Euro. Um den Hof liegen riesige
Weiden. „Alle Koppeln, die
braun sind, sind die Winterkoppeln",
sagt Fraider. Das sind
allein 1,5 Hektar. Gerade
gewöhnt er seine Herde an
Grünfutter und lässt sie stundenweise
grasen. Das dürfen die Pferde nun endlich
auch tun: Wir lassen sie durch das Gatter direkt
neben dem Stall auf die Koppeln.
Eins nach dem anderen
galoppiert und
buckelt
in
Richtung Wiese. Nur eine Stute
führt Fraider. „Sie kennt
den Weg noch nicht, ich
habe Angst, dass sie
durch irgendeinen
Zaun
rennt", sagt er. Also bringt er
die Stute selbst zur Herde. Dort
ist die Aufregung um die
Neue groß. Nach kurzem Beschnuppern
und Gerangel
widmen sich die Pferde
Wichtigerem: dem grünen, saftigen
Gras. Hier fehlt nur noch eine
Halle zum perfekten
Pferde und Reiterglück.
Deswegen bekommt
der Betrieb zweieinhalb Hufeisen.
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